Flugwerft Schleißheim: Engel mit Rotoren

Neuzugang „Christoph 1“: Der ADAC Rettungshubschrauber mit der Seriennummer 1 dokumentiert die Geschichte der zivilen Luftrettung in der Flugwerft Schleißheim

Der gelbe Engel hat keine Flügel – er hat Rotoren. In der Ausstellungshalle der Flugwerft ist jetzt ein ganz besonderer Neuzugang gelandet: Die BO105 gilt als Meilenstein in der Deutschen Luftfahrtindustrie und soll künftig in Schleißheim die Geschichte der zivilen Luftrettung dokumentieren. Der Hubschrauber mit der Seriennummer 1 wurde durch den Förderverein der ADAC Luftrettungsstation „Christoph 1“ aufwendig restauriert und heute dem Deutschen Museum feierlich übergeben.
Die vier Rotorblätter auf dem Dach haben einen Durchmesser von knapp zehn Metern. Trotzdem wirkt der Neuzugang in der Ausstellungshalle neben dem riesigen Flugboot oder dem Senkrechtstarter eher zierlich. Verstecken muss sich die BO105 aber nicht zwischen den Größen der Luftfahrtgeschichte: „Das Modell ist der erste Helikopter aus durchgehend deutscher Entwicklung und Produktion und das erfolgreichste deutsche Fluggerät der Nachkriegszeit“, sagt Gerhard Filchner, der Leiter der Flugwerft Schleißheim.
Das Kernstück der technischen Innovation war in der BO105 von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB, heute Airbus Helicopters) der gelenklose Rotor, „ein Prinzip, das sich bis heute auch in den Nachfolgemodellen bewährt“, so Filchner. Außerdem kam beim Bau der Rotorblätter erstmals glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) zum Einsatz.

Mit der leuchtenden Signalfarbe fällt auch sofort die zweite große Besonderheit des Helikopters ins Auge: „Diese Maschine ist untrennbar verbunden mit der Geschichte der zivilen Luftrettung in Deutschland“, sagt Gerhard Filchner. 1970 wurde der erste gelbe Rettungshubschrauber des ADAC, eine BO105, am Krankenhaus Harlaching in Dienst gestellt. Der Helikopter mit der Kennung „D-HILF“ erhielt den Namen Christoph, nach dem heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Autofahrer und Reisenden. Die Zahl 1, die den Standort Harlaching kennzeichnet, kam erst später dazu, nachdem mehr und mehr Luftrettungsstationen nach dem Münchner Modell im ganzen Land errichtet wurden.

Mittlerweile haben die gelben Engel fast eine Million oftmals lebensrettende Einsätze geflogen. Allein „Christoph 1“ kommt auf durchschnittlich etwa 1500 Einsätze pro Jahr. Von Harlaching aus heben die Helfer inzwischen in der modernen H145 von Airbus Helicopters ab. Doch ohne die BO105 wäre der Erfolg des Luftrettungskonzepts kaum denkbar. „Leicht, beweglich, wartungsfreundlich – die Maschine war damals für diesen Zweck geradezu ideal“, sagt Gerhard Filchner.

Die Geschichte des ersten „Christoph 1“ endete allerdings 1975 auf äußerst tragische Weise: Die BO105 mit der Seriennummer 5 verunglückte bei einem Einsatz und wurde völlig zerstört. Die dreiköpfige Besatzung – Pilot, Arzt und Sanitäter – kam damals ums Leben. Das Ausstellungsstück in der Flugwerft Schleißheim trägt die Seriennummer 1 und diente jahrelang bei MBB und bei der Technischen Universität München als Versuchsträger. Der Förderverein der ADAC Luftrettungsstation „Christoph 1“ hat den Helikopter nun aufwendig restauriert und originalgetreu ausgestattet. „Unsere Besucher können die Maschine aus unmittelbarer Nähe so sehen, wie sie in den 1970er-Jahren im Einsatz war“, sagt Gerhard Filchner.

Und auch Generaldirektor Wolfgang M. Heckl freut sich über die neue Dauerleihgabe für die Schleißheimer Zweigstelle: „Als technischer Meilenstein passt dieser Hubschrauber natürlich bestens zu unserer Sammlung von Meisterstücken. Als Pionier-Maschine der zivilen Luftrettung ist der Wert der BO105 allerdings noch viel höher zu schätzen!“

Technische Daten „Christoph 1“, Messerschmitt-Bölkow-Blohm BO105:
Rotordurchmesser: 9,84 m
Startmasse: 2300 kg
Nutzlast: 569 kg
Besatzung: Pilot, Notarzt, Rettungssanitäter
Passagiere: 1 Patient
Reisegeschwindigkeit: 230 km/h
Gipfelhöhe: 5000 m
Reichweite: 575 km
Antrieb: zwei Wellenleistungstriebwerke Allison 250 C20
Leistung: 2 x 290 kW

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