Fahrradurlaub für junge Familien: Mit dem Lastenrad auf Bornholm

Quelle/Source: „www.pd-f.de | Thomas Geisler
Reisen mit Lastenrädern sind für Familien eine interessante Option, um mit dem Thema Radreisen erstmalig in Kontakt zu kommen. Autor Thomas Geisler war mit seiner Familie auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm unterwegs.

Alle Interessen für einen gemeinsamen Familienurlaub unter einen Hut zu bringen, gehört zu den schwierigen Herausforderungen des Familienalltags. Vor allem, wenn die Kinder größer werden und mitbestimmen wollen. Zum Wandern in die Berge? Zum Chillen ans Meer? Oder doch ein Badesee? Bis Mitte Juni ist uns noch völlig unklar, wohin wir reisen wollen. Per Zufall stoße ich auf das Angebot von Runde Reise: Lastenradreisen für Familien auf Bornholm. Die Entscheidung fällt leicht. Meine Frau und ich finden es gut, da es eine teilorganisierte Radreise ist, bei der wir dank der Lastenräder nicht so viel Wert auf kompaktes Packen und Tourenplanunglegen müssen. Die Kinder sind motiviert, die über 100 Kilometer lange, mehrtägige Tour selbst zu fahren, aber können als Option ins Lastenrad umsteigen. Allerdings schränken sie ein, dass Zelten nicht so ihr Ding sei. Wir entscheiden uns daher für die alternative, etwas teurere Glamping-Variante, d. h. wir übernachten auf Campingplätzen in fest installierten Zelten oder Hütten mit Betten. Ich streiche direkt Schlafsäcke, Isomatten und Zelt von der Gepäckliste. Das kommt mir entgegen, weil wir als vierköpfiges Radteam für zehn Tage Radreise-Urlaub sicherlich viele andere Dinge benötigen.

Unser Abenteuer beginnt nach der Überfahrt mit der Fähre von Sassnitz auf Rügen nach Rønne. Die größte Stadt Bornholms hat rund 13.000 Einwohner:innen und liegt im Südwesten der Insel. Am Hafen empfängt uns Karen Rike Greiderer, die Organisatorin von Runde Reise (siehe Interview), mit einem Lastenrad der Firma Radkutsche. Das Lastenrad befülle ich mit unseren großen Taschen, hänge Vario-Rucksack (siehe Tipps) sowie Satteltasche an den Gepäckträger und schnalle mir meine Ortlieb-Duffle auf den Rücken. So beladen radle ich mit den Kindern, die ihre eigenen Räder dabeihaben, die zwei Kilometer kurze Strecke zum Campingplatz Nordskoven, während meine Frau die Strecke läuft. Am Campingplatz beziehen wir ein Zelt und bekommen von Karen das zweite Lastenrad, ein Muli.

Gepäck für vier will verstaut sein
Bevor es am nächsten Morgen auf die Inselumrundung geht, steht Probepacken auf dem Programm. Unser Plan: Drei wasserdichte, große Ortlieb-Taschen, zwei davon haben wir von Karen erhalten, kommen auf das Muli. In einer Tasche transportieren wir Fahrradequipment wie Reifenflickset, Luftpumpe, Akku-Ladegeräte, Akku-Beleuchtung von Busch & Müller und Radschützer von SKS Germany für die Kinderräder, falls eine Etappe wider Erwarten etwas länger dauert oder doch einmal Regen einsetzt. In der zweiten Tasche befindet sich unser Reiseproviant wie Nudeln, Reis, Gemüse usw. In die dritte Tasche kommt griffbereit alles, was man während der Fahrt brauchen könnte – von Badesachen und Sonnencreme bis Regenjacke und Halstücher sowie die Stofftiere der Kinder. In die Radkutsche lade ich unsere große Tasche mit Bekleidung und eine kleinere Tasche mit Badetüchern, Spielen und Sandspielzeug. Ebenso kommen Strandschuhe und Picknick-Decke mit ins Gefährt, griffbereit obendrauf die Kameratasche mit Handy und Geldbeutel. In die Satteltaschen packen wir die Verpflegung für die tägliche Tour.

So ausgerüstet starten wir am nächsten Vormittag das rund 40 Kilometer lange erste und längste Teilstück von Rønne entlang der Südküste nach Dueodde. Zum Einrollen führen die ersten Kilometer durch die Stadt und dann auf dem Radweg entlang der Hauptstraße. Der Wind kommt sacht von schräg hinten, was für zusätzlichen Schub sorgt. Wir entscheiden uns, die Etappe kindgerecht in drei Stücke zu gliedern. Für die Mittagspause steuern wir nach ca. zehn Kilometern den kleinen Küstenort Arnager an, wo wir direkt am Meer unsere Brotzeit essen. Nach einer Stunde setzen wir unsere Fahrt fort, stellen aber fest, dass wir als Familie auf der Strecke noch nicht gut harmonieren.